Der Wahnsinn hat Methode – der 3. Deutsche Designerkongress

Vortrag von Nils Holger Moormann / Foyer der Zollverein SchoolFrei nach Karl Valentin: Bloggen macht Spaß, kostet aber viel Zeit. Die ich derzeit besonders wenig habe. Das Alltagsgeschäft fordert mal wieder seinen Tribut, und zwar in besonders kraftraubender Weise – so kommt es, dass dieses Blog derzeit leider  etwas brach liegt.

Gestern aber. Kleine Auszeit vom Hamsterrad.
»Der Wahnsinn hat Methode“ hieß das Motto des 3. Deutschen Designerkongress auf der Zeche Zollverein in Essen. Wir waren da.

Morgens Vorträge: Der Philosoph Prof. Hans Poser beleuchtete das Entwerfen zwischen wissenschaftlicher Forschung und „genialischem Finden“, blickte zurück auf Leibniz und Christian Wolff, Denker und Wissenschaftler, die den Prozess der Ideenfindung zu systematisieren versucht haben. Können wissenschaftlich-stringente Methoden der Kreativität auf die Sprünge helfen?

Zweifellos das Highlight des Vormittags: »Nils spricht mit Holger über Moormann« (Foto oben links). Der Möbeldesign-Unternehmer Nils Holger Moormann erzählte anekdotenreich und heiter über sein Unternehmen, seine Arbeitsweise, sein Scheitern, seine Kriege (gegen »Elche«), seine Überzeugungen und Leidenschaften. »Zu viel Wissen ist auch nicht gescheit. Hilft doch manchmal nur der spielerische und humorvolle Umgang mit Design weiter …« Da war vom Weißbiertrinken, klapprigen alten Volvos, vom Spielen und vom Handwerk die Rede, wie bei Moormann Möbel entwickelt und gebaut werden und vom Umgang mit Pannen und Reklamationen – z.B. einmal wegen rätselhafter dunkler Flecken, die sich nach einiger Zeit auf Hölzern ausgelieferter Möbeln bildeten. – Ursache: Eine Gulaschsuppe, die kurz zuvor im Kartoffeldämpfer eines Nachbarbauern gekocht worden war – derselbe Kartoffeldämpfer, den die Moormänner wenig später zum Erhitzen und Biegen der Möbelbeine benutzt hatten…

Der Schweizer Designer und Typograph Ruedi Baur griff in seinem Vortrag das Thema »Wahnsinn« sehr ernsthaft auf und fragte, inwieweit Designer ihren Wahnsinn – ihre Kreativität, ihre Leidenschaft – einsetzen können, um dem Wahnsinn in der Welt – etwa Krieg und Konsumterror – etwas entgegenzusetzen und verantwortlich zu handeln.

Nachmittags dann die Zukunftsateliers (neudeutsch für Workshop). Ich entschied mich für das Work Café: Diskussionen und Brainstormings rund um Fragen von Designeralltag und -arbeit im Speed-Dating-Stil. Doch zu kurz die Zeit für die Themen – war man endlich »drin«, klingelte es und man musste Tisch und Thema wechseln. Die höllische Akustik im Foyer der Zollverein-School (Foto oben rechts) erschwerte die Kommunikation obendrein. Ein paar gute Anregungen und Bemerkungen der Mitstreiter sind in meinem Kopf hängengeblieben, auch die Anwesenheit der Vortragsredner vom Vormittag war ein Pluspunkt, aber das nächste Mal werde ich diese Art von Diskussionskarussell meiden.

Michael war von seinem Workshop mit Thomas und Martin Poschauko hingegen begeistert. Die Autoren des Buches »NEA MACHINA« berichteten über ihr kreatives Arbeiten im Spannungsfeld von »Kopf-Bauch-Hand-Computer«. In ländlicher Abgeschiedenheit probieren und spielen die Grafikerzwillinge mit allem, was Haus, Hof und Umgebung an visuellem Material hergeben und kommen so zu überraschenden Lösungen, die sie mit viel Augenzwinkern selbstironisch vorstellten.

Alles in allem hat der iDD-Tag Spaß gemacht und viel Austausch, Information und Anregung geboten. Wir sind gespannt auf den 4. Kongress – gern wieder in der gleichen Location.

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