Die Leichtigkeit der kreativen Arbeit

photocaseqtgp9d5m55097521-sMein Beitrag zur Blogparade zum Thema Leichtigkeit von Ulrike Bergmann.
(Aus der Blogparade ist ein schönes E-Book entstanden. Kostenlos downloadbar hier.)

Hm. Eher etwas für Psychologen und Coaches, dachte ich zuerst. Doch, nein – Leichtigkeit in Kreativität und Gestaltung: auch unser Thema.

Das Vertrackte an der Leichtigkeit ist, dass sie eben leicht aussieht, aber gar nicht so leicht zu erreichen ist. Im Leben, das zeigen viele Beiträge in dieser Blogparade, ist das nicht anders als in der Gestaltung. Alle wollen Leichtigkeit – und es gibt unendlich viele Ratschläge, wie man sie bekommt. Hör auf deinen Bauch. Denk nicht so viel. Kontrolliere nicht so viel. Entspann dich. Lass los. Jaha, aber da muss man erst mal hinkommen.

Mein Partner und ich sind Grafikdesigner. Unser Beruf ist, Informationen und Werbebotschaften zu gestalten, ihnen eine angemessene Form zu geben. Im Idealfall wirkt das Ergebnis wie aus einem Guss, sieht so selbstverständlich und leicht aus, dass es jedem Betrachter ganz natürlich erscheint. Und schön – Leichtigkeit in Kreativität und Gestaltung bedeutet Schönheit.

Good design is a tough job, so lautet ein Buchtitel (Amazon-Link) von Kirsten Dietz und Jochen Rädeker, Geschäftsführer einer der größten Designbüros Deutschlands.
Das stimmt. Ein tolles Logo, ein gelungenes Editorial Design, ein erfolgreiches Produktdesign – dass dies alles wirkt, als wäre es den Schöpfern mal so eben aus dem Handgelenk gerutscht, ist eine optische Täuschung.

Beim Ballett bewundern wir den Fluss der Bewegung, die Anmut und Leichtigkeit. Es erscheint alles so einfach. Man sieht niemals, wieviel harte Arbeit der Tänzer dahinter steckt. Mozart hat irgendwann mal über die misslungene Komposition eines Zeitgenossen gesagt, dass »die Musik gar sehr schwitzet« (leider habe ich das Originalzitat nicht mehr wiedergefunden). Das ist genau der Punkt: Wenn man das Angestrengte, das Mühsame spürt, wenn’s knirscht und quietscht, ist das Ziel verfehlt. Es wirkt bemüht. Gut gemeint ist noch lange nicht gut gemacht.

Paradox: Die Wirkung von Leichtigkeit in Kreativität und professioneller Gestaltung wird mit einem gerüttelt Maß an Geduld, Bewusstheit und Konzentration erlangt – mal abgesehen von den äußerst seltenen Momenten der »göttlichen« Eingebung (auch Musenkuss genannt), in denen die Lösung wirklich einfach vom Himmel fällt. Die Regel sind die berühmten 90 % Transpiration und 10 % Inspiration.

Die Leichtigkeit der Wirkung ist auch eine beliebte Quelle für Missverständnisse: Eben weil professionell und gut Gestaltetes so leicht aussieht, glauben Laien schnell, »das kann ich auch«. Pseudo-Hilfsmittel wie Baukasten-Lösungen, die oft im Web angeboten werden, können aber leider keine solide Ausbildung und einen geschulten Blick auf die Details und das große Ganze ersetzen.

Um Leichtigkeit in Kreativität und Gestaltung zu erreichen, braucht es Mühe, Üben, Lernen, Probieren, Scheitern, Entwerfen und Verwerfen. Bis man es hat, braucht es Zeit und Geduld. In kreativer Arbeit wie im »richtigen Leben«. Klingt nach saurer Anstrengung? Manchmal ist das so. Die gute Nachricht: Mit Erfahrung wird es leichter. Und die Freude über ein gelungenes Ergebnis wiegt alles auf. In der Balance liegt das Vergnügen.

 

Foto: spacejunkie / photocase.com

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3 Antworten auf "Die Leichtigkeit der kreativen Arbeit"

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