Kommunikationsdesign!
Kommunikations-was-soll-das-(diii)sein?

»Und was machen Sie so beruflich?«, fragt Wibke Ladwig in ihrer Blogparade zum Thema erklärungsbedürftige Berufsbezeichnungen, und die zahllosen Blogger-Antworten zeigen, dass sie damit einen Nerv getroffen hat. Eine klassische Frage, auf die man eine klasse Antwort parat haben sollte: den Elevator Pitch. Und weil mich dieses Thema gerade umtreibt, bin ich dabei – voilà:

»Ich bin Kommunikationsdesignerin.«
Wenn das Gesicht meines Gegenübers dann diesen betont ausdruckslosen Ausdruck annimmt, weiß ich, dass jetzt hinter seiner Stirn sinngemäß etwa Folgendes rotiert: »Was ist denn das schon wieder für ein neumodischer Schnickschnack?«

Eine nicht ganz unverständliche Reaktion. Der Begriff Kommunikationsdesign vereint ja zwei überstrapazierte Reizwörter in sich. Kommunikation begegnet uns z.B. in Telekommunikation, Unternehmenskommunikation, Kommunikationspolitik, Kommunikationskultur und wer-weiß-wo noch überall. Sehr modern, kommt gern daher, wenn es irgendwie cool oder gesprächsbereit klingen soll.
Geradezu inflationär wird jedoch der Begriff »Design« verwendet: Völlig auf den Hund gekommen und total abgelutscht, springt uns das Wort an jeder Ecke entgegen. »Design« wird auf alles aufgeklebt, was irgendwie »kreativ« und mit Verschönerung zu tun hat: Designerklamotten, Designerdrogen, Hair-Design (hieß früher Friseur, wisst ihr noch?), Nail-Design, Katzenklo-Design bla bla bla… (Das beruht ja schon auf einem Missverständnis: Design ist nämlich, wenn es den Namen verdient, eben keine bloße Verschönerungsmaßnahme. Aber das ist ein anderes Thema.)

Sorry: ICH habe mir diese Berufsbezeichnung nicht ausgedacht. Früher hätte ich mich Grafikdesignerin, noch früher Gebrauchsgrafikerin genannt. Aber diese Begriffe stammen aus jenen Zeiten, als das Internet noch nicht erfunden war und Smartphones in den Bereich Science Fiction gehörten.
Tatsächlich ist Kommunikationsdesign seit längerem eine durchaus gebräuchliche Bezeichnung für mein berufliches Tun.
Wikipedia erklärt: »Der Begriff Grafikdesigner wird mehr und mehr vom Kommunikationsdesigner ersetzt und unterscheidet sich vom Industrie-, Mode-, Foto- und Webdesigner.«
Hier eine der vielen Definitionen, die das Entscheidende erläutert – nämlich den umfassenden Ansatz, den auch wir verfolgen:
»Kommunikationsdesign ist ein Fachgebiet, das eng mit dem öffentlichen Leben verknüpft ist. Es betrifft alles, was mit Informationen und Werbung zu tun hat. Dazu gehören die klassischen Printmedien, analoge und digitale Fotografie, das Design bewegter Bilder für Film und Fernsehen und die Gestaltung der Oberflächen für die Information am Bildschirm, eine weltweit verständliche neue Sprache im Bereich elektronischer Medien.« (Helmut Brade, komm.burg-halle.de – Zitat gefunden im Lesikon von Juli Gudehus)

Meinen interessierten Frager will ich natürlich nicht mit langatmigen akademischen Definitionen anöden. Also – was wäre eine knackige Antwort, die kein Stirnrunzeln hervorruft?
Vielleicht lasse ich den ersten Satz (siehe oben) ganz weg und steige gleich mit dem Nutzwert ein: »Ich sorge mit allen visuellen Mitteln dafür, dass Sie, Ihr Unternehmen, Ihre Produkte oder Botschaften klar wahrgenommen und richtig verstanden werden und in Erinnerung bleiben – zum Beispiel, indem ich Ihr Corporate Design oder Ihren Internetauftritt konzipiere und gestalte.«

Oder so:
»Ich konzipiere und gestalte für Sie alles Sichtbare, womit Sie an die Öffentlichkeit treten: Logo, Visitenkarten, Prospekte, Website – all das gehört zu Ihrer (Unternehmens-)Kommunikation. Sie kennen doch sicher das Zitat von Paul Watzlawick: Man kann nicht nicht kommunizieren. Mit anderen Worten: Alles, was Sie zeigen oder nicht zeigen, sagen oder nicht sagen, hat Wirkung – ich sorge dafür, dass es gut wirkt.«

PS: Demnächst bin ich übrigens auch noch Social Media Manager. Da hab ich noch mehr zu erklären. :)

PPS: Mein Partner und ich tragen nicht nur eine erklärungsbedürftige Berufsbezeichnung mit uns herum, sondern sind obendrein mit schwer zu merkenden Namen geschlagen. Und fragen uns: Ist das jetzt so schlecht, dass es schon wieder gut ist? Oder sollten wir doch mal über einen griffigeren Domain-Namen nachdenken? Wir diskutieren das noch und arbeiten dran. :)

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