Kreativ sein. Und es bleiben.

Mein Beitrag zur Blogparade »Kreativität für alle« von Nicole Gugger.

kreative-einstellungSchöne Idee, diese Blogparade – weil mich dieses Thema schon länger umtreibt, MUSS ich da natürlich mitmachen.

»Kreativität ist: erfinden, probieren, wachsen, Risiken eingehen, Regeln brechen, Fehler machen und Spaß haben«, sagte Mary Lou Cook. Das trifft es sehr gut, finde ich. Und zeigt schon, dass Kreativität keine angeborene statische Eigenschaft ist, die man entweder hat oder nicht hat (wie z.B. die Augenfarbe), sondern eine Haltung. Kreativität ist erlern- und trainierbar!

Eine weitere Definition: »Kreativität ist nichts anderes, als die Fähigkeit, Dinge, die nichts miteinander zu tun haben, zu kombinieren. Dazu gehört die Fähigkeit, Dinge völlig unvoreingenommen zu betrachten und sich vom Korsett herkömmlicher Denkstrukturen zu lösen.« (Ida Fleiß, eine deutsche Psychologin)

»Halten Sie sich selbst für kreativ?« Natürlich. Es wäre nämlich schlecht, wenn nicht – das illustriert folgende kleine Geschichte: Eine führende Ölgesellschaft beklagte vor ein paar Jahren, dass es einigen Mitarbeitern im Bereich Forschung und Entwicklung an Kreativität mangelte. Ein Psychologenteam wurde eingesetzt, das herausfinden sollte, worin sich die kreativen von den unkreativen Angestellten unterschieden. Nach drei Monaten kamen die Psychologen zu dem Ergebnis: Der Hauptunterschied zwischen den kreativen und den weniger kreativen Mitarbeitern bestand schlicht darin, dass die einen sich selbst als kreativ einschätzen und die weniger kreativen genau das nicht tun. (Die Anekdote stammt von Kommunikationswissenschaftler Richard L. Weaver; leider weiß ich nicht mehr, wo ich sie gefunden habe.)
Also tun wir alle gut daran, uns für kreativ zu halten, denn mit der Kreativität verhält es sich wie mit jeder self-fulfilling prophecy: »Ob du denkst ›du kannst es‹ oder ›du kannst es nicht‹: Du wirst auf jeden Fall recht behalten.« – ein wahrer Satz von Henry Ford.

Als Grafikdesignerin muss ich Ideen entwickeln, visuelle (Logos, Bildideen) und andere, z.B. für erfolgreiche Kommunikation. Aber: Kreativität ist eine schwankende Größe wie Fitness – mal ist man gut in Form, mal weniger. Für »Berufskreative« besteht die Herausforderung darin, die Kreativität dauernd auf professionellem, möglichst hohen Level zu halten. Für mich persönlich heißt das:

Situationen und Menschen meiden, die Kreativität hemmen:
• nervtötende Routinen
• zuviel Arbeit am Computer
• Nörgler, Bremser und Blockierer, die mit Killerphrasen um sich werfen: »das kann nichts werden, weil…« »das haben wir noch nie so gemacht« usw.
• Stress, Störung und Ablenkung (z.B. durch Telefon)

Umstände suchen oder erschaffen, die Inspiration und Ideenfluss begünstigen:
• immer etwas zum Schreiben dabei haben, um alle Einfälle sammeln und festhalten zu können
• Humor, Albernheit, Spiel
• Assoziationsfähigkeit trainieren (z.B. mit Mindmaps)
• Austausch mit offenen Menschen
• Gewohntes mal anders als sonst tun, Perspektivwechsel wagen
• Ruhe, Muße, Meditation
• Natur, Musik und andere Inspirationsquellen
• etwas mit den Fingern tun, z.B. skizzieren

Dranbleiben und die Möglichkeiten gründlich ausloten
Kreativität hat aber auch mit Disziplin zu tun. Nicht weglaufen, wenn’s schwierig wird, sondern mit der Aufgabe spielen und an ihr herumknuspern. Wenn im Prinzip alles möglich ist, ist es leicht, Ideen zu entwickeln – widrige oder enge Rahmenbedingungen (z.B. wenig Zeit, knappe Budgets) sind die wahren Herausforderungen!

Sich selbst nicht im Weg stehen
Auch die eigene Erwartungshaltung kann ein Hemmschuh sein. Wer Einfälle voreilig bewertet und verwirft, erlaubt sich keine Fehler, die aber auf spannende Nebenwege führen können. Auch möglichst schnell perfekte Ergebnisse zu erwarten, führt zu Verkrampfung – und aus Verkrampfung ist noch nie was Gutes entstanden. »Kreativität erfordert einen offenen Geist und die Bereitschaft, Fehler zu machen. Denn Kreativität nährt sich aus Fehlern.« (Garr Reynolds, in: Zen oder die Kunst der Präsentation)
Schlechte Stimmung – die eigene oder in der Umgebung – ist einer der größten Kreativitätskiller. Behalten Sie die Freude und den Spaß an der Sache. »Schöpferisch zu sein, ist das größte Vergnügen, das Sie in voller Bekleidung haben können.« (Jerry della Femina, Werbefachmann)

Gegenwind aushalten
Kreativität wird überall gebraucht, und die ganze Welt kann mehr davon vertragen. Aber Neues macht auch vielen Menschen Angst – darum haben es gute Ideen oft schwer, sich durchzusetzen. Kreative müssen darum vielleicht mehr Kritikfähigkeit als andere entwickeln und lernen, mit Gegenwind umzugehen.

Übrigens: Zum Thema Kreativität habe ich vor einiger Zeit einen kleinen Vortrag (s.a. letzter Post) erarbeitet – einiges daraus habe ich hier übernommen, aber noch um ein paar persönliche Gedanken zum Thema ergänzt.

 

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