Zeitreise:
Buchbinder-Buitig in der Schweiz

IMG_2300-sEs riecht nach Papier, Leder und Leim. Schränke, Schachteln, Regale, Schubladen voller Utensilien und Werkzeuge, deren Sinn und Zweck sich nur durch eine ausführliche Erklärung erschließen. Maschinen, die heute keiner Prüfung einer Berufsgenossenschaft standhalten würden, von Firmen, die längst schon Geschichte sind. Doch für Klaus Michel sind diese historischen Stücke wertvolle Helferlein, um seine Vorstellung eines schönen Buches realisieren zu können.
Freudig gibt er Auskunft und zeigt uns, wie auf handwerklich höchstem Niveau ein Buch zum kleinen Kunstwerk wird. Die Begeisterung für seinen Beruf reißt einen mit, weckt die Lust, mehr zu erfahren.

Freundschaftliche Bande führten uns in die Schweiz – und in die Buchbinderwerkstatt von Klaus Michel am Sarner See. Eine Reise in eine andere Zeit. Man begreift sehr schnell, dass ein Buch in der Vergangenheit nicht nur wegen seiner wertvollen Informationen, sondern auch als Objekt kostbar und geschätzt war. In der Zeit von eBook, Onlinedruckereien und Massenpublikationen wirkt die Kunst eines Buchbinders wie ein Statement. Ein Statement gegen das Buch als Wegwerfartikel oder flüchtige Datenmenge.
In dieser »Buitig« (so heisst so eine Werkstatt im Schwyzer Diitsch), verspürt man einen gewissen Geist. Hier ticken die Uhren anders – langsamer. Qualität braucht Zeit, und die nimmt Klaus Michel sich – nicht nur für seine geliebten Bücher, auch für uns. Wie kleine, staunende Kinder führt er uns durch sein Reich und zeigt uns Handwerkskunst, die nur noch von wenigen beherrscht wird. Erklärt, wieviel Eiweiß maximal eingesetzt werden darf, damit beim Silberschnitt eines Buchblocks die Seiten nicht verkleben. Führt vor, wie kunstvolle Verzierungen auf Buchrücken angebracht wurden. Beschreibt, welche buchbinderischen Fehler nach vielen Jahren zu fast irreparablen Schäden führen. All dieses Wissen ist das Ergebnis jahrzehntelanger Erfahrungen.

Ratsuchende Buchliebhaber vertrauen ihm, vertrauen auf sein Wissen. Sie bringen ihm alte Bücher zur Restauration, jedes für sich schon ein Kleinod. Zum Beispiel ein historisches Bilderbuch über die Maschinenbaukunst um 1900: Lokomotiven, Dampfmaschinen, Automobile, akribisch gezeichnet, von der Karosserie bis zum Motorinneren alles in einzelnen Schichten aufwändig übereinander gelegt und zum Ausklappen – 3D-Infografik vergangener Zeiten! Klaus Michel bringt diese kleinen Schätze behutsam wieder in Form und verleiht ihnen neuen Glanz.

Seine eigene umfangreiche Bibliothek umfasst Sammlerstücke wie mittelalterliche Bücher ebenso wie klassische typografische Fachliteratur – z.B. die Bücher Jan Tschicholds oder eines der wenigen gedruckten Exemplare der Diplomarbeit des kürzlich verstorbenen Adrian Frutiger. Ein Eldorado für jeden Buchfan und Typo-Interessierten.

Lieber Klaus – danke, dass du uns in deine Welt entführt hast! Es war ein Highlight unseres Schweiz-Besuches.

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