Papier sparen im Büro und anderswo

Wir leben angeblich im digitalen Zeitalter, die Vision vom papierlosen Büro hält sich hartnäckig – und wird doch von allen Statistiken als Lüge entlarvt: Die Papierverbräuche steigen unaufhaltsam, in Deutschland und künftig wohl auch in den Entwicklungsländern. Deutschland ist drittgrößter Zellstoffimporteur, zweitgrößter Papierimporteur der Welt und überdies der viertstärkste Papierverbraucher und auch -hersteller. In den letzten hundert Jahren ist der pro-Kopf-Verbrauch an Papier in Deutschland fast um das Zwanzigfache gestiegen!

papier_verbrauchPapier wird aus dem nachwachsenden Rohstoff Holz hergestellt – aber kann das Wachstum der Wälder bei unserem Hunger nach Papier überhaupt mithalten? Die Wälder der Erde werden unterm Strich schneller vernichtet als sie nachwachsen. Das ist aus mehreren Gründen katastrophal: Wälder bieten vielen Arten von Tieren und kleineren Pflanzen Lebensraum, dienen als Wasserspeicher, binden Kohlendioxid und produzieren Sauerstoff; sie stellen Nahrung zur Verfügung und bieten dem Menschen Erholungsräume.

Weltweit werden in jeder Minute 35 Fußballfelder Wald vernichtet, vor allem in den Tropen. Ca. 50 % des Holzes wandert in die Papierproduktion. Die Wälder werden aber auch gerodet, um Anbauflächen für Soja (v.a. für Tierfutter) oder Palmöl (in zahlreichen Lebensmitteln und Konsumgütern enthalten) zu gewinnen.

Außer Zellstoff wird bei der Papierherstellung Energie verbraucht – Strom, Wasser, Sauerstoff. Allerdings sinken hier die Werte kontinuierlich – während 1975 zur Herstellung von einem Kilo Papier noch 35 l Wasser benötigt wurden, waren es 2010 nur noch 10 Liter. Recyclingpapiere haben eine deutlich bessere Energiebilanz als Primärfaserpapiere.

papier_recyclingEs gibt also genug Gründe für uns alle, unseren Papierverbrauch kritisch zu hinterfragen und über verantwortungsvollere Alternativen nachzudenken.

An dieser Stelle ein Einschub: Wenn ausgerechnet Grafikdesigner über Papiersparen reden, mag das sonderbar erscheinen. Natürlich sind wir als Werbetreibende mitverantwortlich für die tägliche Papierflut. Wir haben auf unserem Blog hier (Nachhaltigkeit im Printdesign) und hier (Nachhaltiges Grafikdesign – was ist das?) schon vor einiger Zeit unsere Haltung dazu dargelegt. Neben ressourcenschonender Printproduktion geht auch darum, auf welchen Wegen Informationen möglichst effektiv und sinnvoll vermittelt werden. Um mehr Qualität statt Quantität. Weg vom massenhaft produzierten Wegwerf-Druckprodukt, hin zu »weniger ist mehr« – inhaltlich und optisch hochwertige Druckprodukte, die ein positives Bild vom Absender vermitteln, die gern in die Hand genommen und aufbewahrt werden.

Tipps zur nachhaltigeren Papiernutzung

  • Wir beraten Sie gern zum Thema ressourcenschonende Printproduktion. Stellschrauben sind z.B. Auflagenhöhe, Umfang, Farben und natürlich die Papierwahl. Wussten Sie, dass es sogar zellulosefreies Steinpapier gibt?
  • Büropapiere können Sie immer doppelseitig nutzen (im Drucker wie im Kopierer, oder als Notizzettel). Wir haben in unserem Büro den Papierverbrauch damit drastisch abgesenkt.
  • Oft sind Ausdrucke durchaus vermeidbar: z.B. von Mails. Bei Präsentationen reicht es meistens, ein PDF an alle Beteiligten zu verteilen.
  • Nutzen Sie am besten immer Recyclingpapiere (mit dem Blauen Engel). Es gibt längst wirklich gute, druckergeeignete weiße Qualitäten.
  • Das FSC-Siegel ist umstritten (s.u.), gilt aber laut Greenpeace und WWF immer noch als vertrauenswürdig – letzte Sicherheiten gibt es wohl kaum.
  • Lassen Sie sich Dokumente online zuschicken – auch wenn Sie z.B. Rechnungen für die Steuererklärung ausdrucken, werden doch immerhin Umschlag und Transport eingespart.
  • Kaufen Sie möglichst Produkte mit wenig Verpackung. Wenn Sie Bücher und andere Artikel außerdem bei Ihrem Händler um die Ecke kaufen, unterstützen Sie die lokale Wirtschaft und sparen Versandverpackungen.
  • Papier kann auch woanders ein zweites Leben führen: vielleicht als Geschenkpapier oder indem Sie etwas Neues daraus herstellen (Postkarten, Kuverts, Schachteln, Schmuck, Kinderspielzeug o.ä.) – Upcycling liegt voll im Trend!
  • Schwämme oder Textiltücher können Küchen- oder Kosmetiktücher aus Papier ersetzen.
  • Coffee-to-go im Pappbecher? Fast Food und Mitnehmgetränke verursachen viel Müll. Nehmen Sie sich besser die Zeit, sich hinzusetzen und von Geschirr zu essen, wenn Sie können. Das ist auch gesünder: Genießen Sie die Pause!
  • Signalisieren Sie mit einem Aufkleber am Briefkasten, dass Massen-Werbemüll bei Ihnen unerwünscht ist.
  • Entsorgen Sie Papier über die Papiertonne, um es im Rohstoffkreislauf zu belassen.

Wir können die Welt nicht umkrempeln, aber die Summe vieler kleiner Verbesserungen bewirkt auch schon etwas.
Bitte lesen Sie auch: Fakten zum Papierverbrauch auf unserem Blog

Quellen:
Papier kompakt (PDF vom VDP – Verband deutscher Papierfabriken)
WWF
Zum Thema Kritik am FSC-Siegel z.B. ein Artikel aus dem Jahr 2012 in brand eins und auf Regenwald.org.

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