Kreativität kostet nix?! Ein paar Worte über Preise und Werte

euro»Zu wenig Geld für die Inklusion: Kreative Lösungen sind gefragt« Über diese Überschrift in unserer Lokalzeitung stolperten wir vor einiger Zeit. Solche Aussagen lassen uns Kreative mit den Augen rollen.

Natürlich geht es uns hier nicht um das Thema Inklusion, sondern um die in der Schlagzeile hergestellte Verbindung zwischen mangelnder Finanzkraft und Kreativität.

»Zu wenig Geld für [xyz]: Kreative Lösungen sind gefragt«
Was soll das eigentlich heißen? Mögliche Interpretationen:

1. Kreative Lösungen sind per se kostengünstig oder gar umsonst zu haben.
2. Kreativität macht doch Spaß. Und Spaß muss doch nicht auch noch wie Arbeit bezahlt werden, oder?
3. Umkehrschluss: Lösungen, die Geld kosten, sind dann immer unkreativ – oder wie? (Oder sind es vielleicht Lösungen, die keinen Spaß machen?)

LowBudget- oder gar Gratis-Kreativität scheint sich tatsächlich auszubreiten. Fotos werden im einstelligen Eurobereich verramscht, auf Design-Crowdsourcing-Plattformen werden Logos für 50 €, Corporate Designs für 200 € angeboten. Aber, liebe Auftraggeber, bevor Sie jetzt nach so was googeln, lesen Sie bitte erst weiter…! ;)

Kreative jeder Couleur (Designer, Fotografen, Filmer, Illustratoren, Texter) sind weder die einzigen und noch die bedauernswertesten Opfer von Märkten, die sich durch das Web und die Globalisierung rasant verändern.
Wenn (Dienst-)Leistungen aber nur noch über den Preis entschieden werden, schneiden sich am Ende alle ins eigene Fleisch – Kreative wie ihre Kunden.

Gero Pflüger schreibt in diesem lesenswerten Blogpost: »Das wirkliche Problem (…) ist, dass durch die zunehmende Akzeptanz von offensichtlichen Dumpingpreisen auf beiden Seiten die Wertschätzung an gestalterischen Leistungen leidet. Design ist plötzlich kein geschöpfter Wert mehr, der individuell und mit großem Einsatz von Talent und Kreativität, mühsam errungenem Fachwissen und hart erarbeitetem Können geschaffen und als solcher Wert auch wahrgenommen und vergütet wird. Design verkommt zu einem beliebigen, austauschbaren Artikel, der im Akkord gefertigt und dann verramscht wird.«

Besser kann man es nicht sagen. Diese Entwicklung fordert uns Kreativen also etwas ab, was wir vermutlich bisher zu oft vernachlässigt haben: Den Wert unserer Arbeit selbst besser zu verstehen und gegenüber unseren Auftraggebern deutlicher zu kommunizieren.

Hier also nochmals die Gründe, warum z.B. ein Logo bei uns meist teurer ist als auf einer Crowdsourcing-Plattform:

1. Hinter unserer Arbeit stecken solide Ausbildung, langjährige Erfahrung und handwerkliches Können. Außerdem gehören permanente Weiterbildung und professionelles Equipment dazu.
2. Wir beschäftigen uns grundsätzlich individuell mit jedem Kunden und seinem Anliegen. Dazu gehört meist eine ganzheitliche Betrachtung: Wir schauen uns an, wo Sie stehen, wohin Sie wollen und was Sie wollen.
3. Mit unserer Arbeit schaffen wir einen Wert: Mittels unserer Arbeitsergebnisse können Sie sich selbst, Ihre Dienstleistungen und Produkte besser verkaufen. Es geht um etwas Wichtiges – Ihre Außendarstellung. Das sollte Ihnen doch etwas wert sein, oder?
4. Ideen fallen nicht vom Himmel. »Die Inspiration existiert, aber sie muss dich bei der Arbeit finden«, hat Picasso gesagt. Ganz recht: Ideen und Gestaltungslösungen entstehen in Arbeitsprozessen, kosten also Zeit und Kraft. Nach Ansicht des international bekannten Illustrators Christoph Niemann braucht man für eine gute Idee 87 % Anstrengung und nur 0,5 % Begabung und Musenküsse (die restlichen 12,5 % verteilen sich auf Glück und zumindest kurzzeitige Internet-Abstinenz, meint Niemann!).
5. Ideen allein genügen noch nicht, sie müssen außerdem gekonnt umgesetzt werden. Lesen Sie bitte weiter unter  Punkt 1 …

Auftraggeber, die für Mikrohonorare »Kreativleistungen« einkaufen, merken früher oder später, dass das oft nichts Genaues ist, nichts Durchdachtes. Dass eine fruchtbare und erfreuliche Zusammenarbeit in diesem Bereich wie anderswo auch auf Beratung, Vertrauen, Sachkenntnis, reibungsloser Kommunikation und persönlicher Beziehung beruht. Wenn das alles stimmt, dann erscheint ein fairer Preis auch gar nicht mehr so hoch. Zum Glück haben das die meisten, auch unsere, Auftraggeber mittlerweile erkannt.

Dazu siehe auch das »Gesetz der Wirtschaft«. :)

 

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